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You are here: Home Veranstaltungen BAR Vortragsreihe Abstracts 2004-05 Marie Gackenholz, Jürgen Habermas und der demokratische Rechtsstaat
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Marie Gackenholz, Jürgen Habermas und der demokratische Rechtsstaat

Abstract

Habermas Legitimerung des demokratischen Rechtsstaats beruht auf einer Verknüpfung eines evolutionären Arguments und eines formalen Arguments. Das evolutionäre Argument besagt, daß die Sprechenden im evolutionären Verlauf ihrer Sprachpraxis die Form subjektiven Rechts aufgrund von Lernprozessen etablieren. Das formale Argument ist das universalpragmatische Argument. Mit seiner Universalpragmatik behauptet Habermas nicht weniger, als daß die Sprechhandlung eine spezifische kommmunikative Rationalität in sich trägt. Diese Rationalität läßt sich anhand der formalen Unterscheidung zwischen verständigungsorientierten und strategischen Sprechhandlungen belegen. Witz dieser Beweisführung ist die Originalmodusthese: Verständigungsorientierung ist der Originalmodus des Sprechens und muß strategischem Sprechen formal vorausliegen. Habermas zeigt damit, daß symbolische Kommunikation darauf beruht, daß ungebrochene Idealisierung von Bedeutung und Geltung von allen Kommunizierenden vorgenommen werden müssen. Auf diese Weise entwirft er einen Begriff des Unbedingten (Wahrheit und Gültigkeit) der zwischen der ersten und zweiten Person im Moment der Verständigung angesiedelt ist (und stets durch den Fallibilismus der dritten Person ergänzt wird.) Er gelangt also von der Analyse der empirischen Sprachpraxis zu einem Begriff unbedingter normativer Gültigkeit: Das ist die Verbindung zwischen Faktizität und Geltung, die Kriterium für die Legitimität der Gesellschaftsordnung ist. Habermas ist aufgrund dieser Anlage seiner Argumentation kein Kontraktualist. Seine Methode ist rekonstruktiv und erinnert darin an die frühe Kritische Theorie. Das Ergebnis dieser Rekonstruktion ist aber eine liberale Theorie. Seine Fundierung von Legitimität auf kommunikativen Strukturen anstelle auf moralischer Substanz jedoch gibt der Bürgerin ein im Vergleich zur klassischen liberalen Theorie breiteres Handlungsspektrum „im Staat“ an die Hand.