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Konradi, Wioletta : Lex Mercatoria als globales Recht der Wirtschaft? Selbstregulierung innerhalb von sozialen und wirtschaftlichen Netzwerken.

"In der Zeit zunehmender Globalisierung in fast allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen, stellt sich die Frage nach der Existenz eines globalen Rechts, das fähig wäre, grenzüberschreitende Transaktionen effektiv zu regeln. [...] [In diesem Vortrag] wird der Versuch unternommen, die Generierung und Durchsetzung von autonomen Normen im Rahmen eines sozialen und wirtschaftlichen Netzwerkes zu beschreiben, sowie das Zusammenspiel dieser Normen mit staatlichem Recht in den oben genannten Strukturen zu erklären."

In der Zeit zunehmender Globalisierung in fast allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen, stellt sich die Frage nach der Existenz eines globalen Rechts, das fähig wäre, grenzüberschreitende Transaktionen effektiv zu regeln. Das Phänomen, welches geeignet erscheint, als globales Recht zu fungieren, ist unter dem Begriff: lex mercatoria, the new law merchant, bzw. das autonome Welthandelsrecht bekannt. Bei der lex mercatoria handelt es sich um selbstkreierte, branchentypische Normen, Handelspraktiken und Handelsbräuche, die im grenzüberschreitenden Handel universelle Anwendung finden.
> Die verschiedenen Begriffe, die f&uuml;r die Beschreibung des gleichen Sets von autonomen Handelsnormen verwendet werden, spiegeln die unterschiedlichen Verst&auml;ndnisse des Ph&auml;nomens wider. Der Diskurs &uuml;ber die Existenz, Rechtsnatur, Umfang und Autonomie der lex mercatoria besteht seit &uuml;ber 40 Jahren und bietet ein breites Spektrum theoretischer Ans&auml;tze. Die Frage, die in der wissenschaftlichen Literatur nicht ausreichend untersucht wurde, betrifft jedoch die praktische Anwendung der lex mercatoria im Rahmen verschiedener Handelsbranchen, sowie ihre Funktion in der Regulierung der transnationalen Handelsgesch&auml;fte. Kann die lex mercatoria als funktionales &Auml;quivalent zum staatlichen Recht angesehen werden oder spielt sie nur eine marginale Rolle, indem sie das staatliche Recht erg&auml;nzt und unterst&uuml;tzt? <br> Die meisten empirischen Studien, die auf dem Gebiet der lex mercatoria durchgeführt wurden, konzentrieren sich auf die internationale Schiedsgerichtsbarkeit als die weltweit anerkannte Form der alternativen Streitbeilegung. Nur wenige empirische Arbeiten beschreiben die Produktion und Durchsetzung von autonomen Normen innerhalb von eng verflochtenen Handelsbranchen. Augrund der geringen Anzahl des vorhandenen empirischen Materials, sowie der widersprüchlichen Ergebnisse, die im Rahmen der bisherigen Forschung gewonnen wurden, existiert zur Zeit kein komplettes und kohärentes Bild über den Lösungsansatz der lex mercatoria zur Globalisierung.
> Der Anspruch dieses Beitrags besteht darin, diese Frage anhand der vorl&auml;ufigen empirischen Ergebnisse, die im Rahmen einer Branchenstudie innerhalb des internationalen Holzhandels gewonnen wurden, zu kl&auml;ren. Es wird der Versuch unternommen, die Generierung und Durchsetzung von autonomen Normen im Rahmen eines sozialen und wirtschaftlichen Netzwerkes zu beschreiben, sowie das Zusammenspiel dieser Normen mit staatlichem Recht in den oben genannten Strukturen zu erkl&auml;ren. <p>